Die Kieferorthopädische Chirurgie, auch Dysgnathie-Chirurgie oder Fehlbiss-Chirurgie genannt, dient der Korrektur von Fehlbissen. Ihre Ursache ist meist eine angeborene Fehlbildung. Sie können aber auch durch in Fehlstellung verheilte Kieferbrüche oder durch Umbauvorgänge im Bereich der Kiefergelenke bedingt sein. Betroffene Patienten leiden unter einer Vielzahl von unterschiedlichen Problemen. Dazu gehören Beeinträchtigung der Kaufunktion, vorzeitiger Verschleiß von Zähnen, Schäden am Zahnhalteapparat, Sprechstörungen oder chronische Schmerzen durch vorzeitigen Verschleiß der Kiefergelenke. Neben diesen funktionellen Problemen haben Kieferfehlstellungen größeren Ausmaßes auch ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, die gerade bei Heranwachsenden zu großem Leidensdruck führen können.

Im Kindesalter ist eine rein kieferorthopädische Behandlungs-maßnahme häufig ausreichend. Bei Fehlbissen (Dysgnathien), die rein kieferorthopädisch nicht stabil oder in funktioneller wie auch ästhetischer Hinsicht nur kompromissbehaftet behandelt werden können, sollte eine kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung in enger Zusammenarbeit von Kieferorthopäden, Kieferchirurgen und ggf. dem Zahnarzt erfolgen. Der optimale Zeitraum für die Behandlung liegt beim jungen Erwachsenen nach Abschluss des Wachstums vor. Eine erfolgreiche Behandlung ist aber auch später noch möglich und sinnvoll.

Sowohl der Oberkiefer wie auch der Unterkiefer kann betroffen sein. Es gibt Fehlstellungen in drei Dimensionen: die sagittale Fehlstellung (Progenie oder Überbiss), die vertikale Fehlstellung (offener Biss, Deckbiss), die transversale Fehlstellung (Kreuzbiss, Scherenbiss) oder auch eine Asymmetrie der Kiefer zueinander oder zum übrigen Gesichtsschädel. Fehlstellungen treten häufig miteinander kombiniert auf. Findet ein Fehlwachstum der Kiefer über einen langen Zeitraum statt, führt dieser kompensatorisch zu unerwünschten Zahnbewegungen und –kippungen. Dies erfordert zwingend eine begleitende kieferorthopädische Behandlung. In Ausnahmefällen kann die Korrektur einer Kieferfehlstellung auch bei einem neuem Zahnersatz oder bei Implantaten erforderlich werden.

In der Regel werden die Kosten der chirurgischen Behandlung von Ihrer Krankenkasse übernommen. Im Rahmen der chirurgischen Planung können allerdings zusätzlich Privatleistungen anfallen, die vor Behandlungsbeginn mit Ihnen besprochen werden.

Behandlungsablauf

Die Erstvorstellung bei uns in der Kieferchirurgie erfolgt meist auf Zuweisung Ihres Kieferorthopäden. Er wird Ihnen Ihre Behandlungsunterlagen wie Röntgenbilder oder Kiefermodelle mitgeben. Nach einer klinischen Untersuchung stellen wir Ihnen einen möglichen Behandlungsablauf mit allen notwendigen Behandlungsschritten einschließlich der alternativen Behandlungsmöglichkeiten vor.  Anschließend werden wir mit Ihrem Kieferorthopäden den weiteren Ablauf besprechen. Den erstellten Behandlungsplan halten wir schriftlich fest und senden Ihnen und Ihrem Kieferorthopäden jeweils eine Kopie zu.

Für diesen ersten Vorstellungstermin möchten wir uns genügend Zeit nehmen. Bitte erwähnen Sie daher bei der telefonischen Terminabsprache, dass es sich um einen Erstberatungstermin für kieferorthopädische Chirurgie handelt. Termine können Sie in einer unserer drei Praxen abmachen.

Ihr Kieferorthopäde beginnt die kieferorthopädische Vorbehandlung in der Regel mit einer festen kieferorthopädischen Spange. Gegen Ende dieser Behandlungsphase (etwa drei Monate vor dem geplanten Operationstermin) wird er Sie, wenn möglich mit aktuellen Kiefermodellen, bei uns zur Verlaufskontrolle und zur Vergabe des Operationstermins vorstellen. In dem Rahmen werden wir weitere Planungstermine abmachen.

Etwa zwei Wochen vor dem geplanten Operationstermin werden wir in einer ausführlichen Sitzung (wir nennen das „Set Up“ ) Abdrücke Ihrer Kiefer nehmen und weitere diagnostische Untersuchungen wie konventionelle Röntgenbilder oder eine dreidimensionale Röntgenuntersuchung (DVT), durchführen.

Auf der Basis dieser Untersuchungen wird für Sie ein individueller Behandlungsplan erstellt. Anschließend simulieren wir in einer Modelloperation das chirurgische Vorgehen und legen dieses fest.

Zur Operation werden Sie im DIAKO Bremen aufgenommen. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt und erfolgt über kleine Schnitte ausschließlich durch die Mundhöhle. Der Modelloperation entsprechend werden der Oberkiefer, der Unterkiefer oder bei Bedarf auch beide Kiefer in einem Schritt in die gewünschte Position gebracht und mit kleinen Titanplatten stabilisiert. Bei extremen Fehlbildungen kann es notwendig sein, die Kiefer mit speziellen Geräten (Distraktoren), die von außen nicht sichtbar sind, langsam und besonders schonend zu verlängern.

Eine Verdrahtung der Kiefer nach der Operation ist heute eben so wenig notwendig wie die Verwendung von Ernährungssonden oder Drainageschläuchen. Allerdings werden Sie etwa sechs Wochen lang eine Weichkostdiät einhalten müssen. Die Länge der stationären Behandlung wird Ihren Bedürfnissen angepasst und beträgt in der Regel fünf bis sieben Tage.

Nach Entlassung wird der Heilungsverlauf in ambulanten Nachsorgeterminen an einem Praxisstandort Ihrer Wahl kontrolliert.

Etwa 12 Monate nach dem Ersteingriff erfolgt die Metallentfernung der bei der Umstellungsoperation eingebrachten Titanplättchen.

In einer Abschlussuntersuchung etwa zwei Jahre nach der Kieferverlagerung kontrollieren wir den langfristigen Behandlungserfolg und besprechen mit Ihnen das erreichte Ergebnis.

Die kieferorthopädische Chirurgie (Fehlbiss Chirurgie) bildet in unserer Ärztegemeinschaft einen Tätigkeitsschwerpunkt in der stationären Behandlung – mit einem weit über die Grenzen Bremens hinausreichendem Einzugsgebiet. Verantwortlich hierfür ist sicher das Renomee und Können unseres MKG-Chirurgen Henning Gropp, der seit seiner Spezialausbildung in den USA über einen langjährigen Erfahrungsschatz mit inzwischen über 1.600 erfolgreich durchgeführten Dysgnathie-Operationen verfügt. Daneben hat er seit der Durchführung einer der ersten enoralen Unterkieferdistraktionen im Jahre 1994 über 150 Patienten mit Distraktionen des Ober- und Unterkiefers versorgt. Er verwendet dabei durchweg enorale Distraktionsgeräte, die durch die Mundhöhle eingebracht werden und, für Außenstehende unsichtbar, auf dem Kieferknochen aufliegen.