Bei Tumoren im Kopf- und Halsbereich sind prinzipiell gutartige und bösartige Tumoren zu unterscheiden. Die Diagnose „Tumor“, lateinisch für Schwellung, bedeutet keinesfalls eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die Bösartigkeit eines Geschwulstes leitet sich im Wesentlichen von drei Charakteristiken ab: von zerstörendem, schrankenlosem Wachstum, von der Metastasierung, also der Bildung von Tochtergeschwülsten an anderen Stellen des Körpers, und von der Entartung der Zellen. Da Tumorzellen immer weniger Ähnlichkeit mit den gesunden Zellen des betreffenden Organs haben, müssen alle Tumore entfernt werden, auch die Gutartigen. Durch ihren Wachstumsdruck können sie Schäden an Nachbargeweben verursachen, manchmal sogar bösartig entarten.

Unser Behandlungsspektrum umfasst die Behandlung aller gutartigen und bösartigen Tumoren des Mund-Kiefer-Gesichtsbereiches einschließlich rekonstruktiver Maßnahmen. Die Rekonstruktion nimmt dabei aufgrund der exponierten Lage der Tumoren einen großen Raum ein.

Im Folgenden möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über das Behandlungskonzept einiger Tumoren bei uns geben:

Tumore der Haut

Basaliom (auch: Basalzellkarzinom)

Das Basaliom stellt den häufigsten bösartigen Tumor der Gesichtshaut dar und betrifft pro Jahr ca. 50 von 100.000 Menschen. Mit zunehmendem Alter steigt die Erkrankungshäufigkeit. Diese Tumore entstehen bis auf seltene Ausnahmen (z.B. Gorlin-Goltz-Syndrom) vor allem im Bereich der stark sonnenbelichteten Gesichtshaut einschließlich der Ohrmuschel, Augenlider, Nase, Lippe und der Stirn. Sie sind chronischen Lichtschäden zuzuordnen, die nicht durch ein oder zwei Sonnenbrände bedingt sind, sondern durch ein langes Leben an der frischen Luft. Seeleute, Maurer, Landwirte und blasse und/ oder rothaarige Menschen mit empfindlicher Haut sind von Basaliomen besonders betroffen.

Da eine Unterscheidung in „gut“ und „böse“ – wie im richtigen Leben – zu einfach wäre, gibt es Grenzgänger, die „örtlich“ (ein bisschen) böse sind. Diese sogenannten Basaliome erfüllen die Merkmale „Entartung“ und „zerstörendes Wachstum“, setzen aber keine Metastasen.

Die Therapie der Wahl stellt die operative Entfernung und Neubildung dar. Die Defekte lassen sich in der Regel mit lokalen Lappenplastiken versorgen. Diese Eingriffe werden in aller Regel in örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt.

Unbehandelt können diese Tumoren mit einer erheblichen Gewebezerstörung einhergehen, was im Gesichtsbereich zu einer starken ästhetischen Beeinträchtigung und nicht selten zu funktionellen Verlusten führt. Insbesondere hier ist es unser Anliegen, neben der Wiederherstellung der Funktion auch eine optimale Wiederherstellung der Ästhetik zu erreichen. In seltenen Fällen ist bei sehr ausgedehnten Defekten eine Rekonstruktion mit Hilfe eines mikrochirurgisch gefäßanastomosierten Hauttransplantates nötig. In besonderen Situationen, z. B. tumorbedingter Verlust des Auges oder der Nase, kommen auch epithetische Rekonstruktionsverfahren zum Einsatz.

Vor Einleitung einer individuell angepassten Therapie ist in jedem Fall eine entsprechende Diagnostik, bei Bedarf in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen wie Dermatologen und Augenärzten (bei Befall der Augenlider), erforderlich.

Patienten, die einmal ein Basaliom gehabt haben, sollten regelmäßig in ärztlicher Kontrolle bleiben, da sich auch an anderen Stellen ein Basaliom entwickeln kann.

Malignes Melanom (auch: schwarzer Hautkrebs)
Von der Entstehung her ist dieser Tumor dem Basaliom sehr ähnlich. Auch er ist durch zu häufige Einwirkung von ultraviolettem (UV-)Licht bedingt. Er ist jedoch sehr bösartig und geht von anderen Zellen aus, den Melanozyten. Da diese für die Pigmentierung (Bräunung) der Haut zuständig sind, sieht ein malignes Melanom in aller Regel tiefbraun bis bläulichschwarz aus. Das maligne Melanom muss unbedingt so früh wie möglich erkannt und radikal entfernt werden, da es zu den am aggressivsten Tumoren überhaupt zählt. Je nach Stadium und Alter des Patienten ist zusätzlich eine Chemotherapie notwendig, die in der Regel in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt wird. Bei rechtzeitiger Erkennung und vollständiger Entfernung ist das Melanom allerdings gut heilbar.

Naevus (auch: Muttermal)
Der häufigste gemeinsame Verwandte von Melanom und Basaliom ist der Naevus, umgangssprachlich „Muttermal“ genannt. Naevi sind an sich völlig harmlos, wenn sie sich allerdings verändern, sollte geprüft werden, ob es Hinweise auf einen Übergang in ein Melanom gibt. In solchen Fällen, oder wenn ein Muttermal einem Basaliom ähnelt, sollte es in einem kleinen Eingriff entfernt und das Gewebe vom Pathologen untersucht werden, um die Diagnose zu sichern.

Tumore der Speicheldrüsen

Diese Tumore sind überwiegend gutartig und entstehen meistens in der Ohrspeicheldrüse, die im Bereich zwischen Ohr, Wange und Unterkieferwinkel liegt. Diese Tumore müssen ebenfalls entfernt werden, da sie mit zunehmendem Wachstum entarten oder Nachbargewebe schädigen können. Bei der Entfernung dieser Tumore ist viel Erfahrung gefragt, da der Gesichtsnerv durch die Ohrspeicheldrüse verläuft und bei der Operation – wenn irgend möglich – geschont werden muss, um Gesichtslähmungen zu vermeiden. Dieses bedeutet, dass die gesamte mimische Muskulatur des Gesichtes meist einseitig ausfällt. Durch den Ausfall der Muskeln kann das Auge nicht geschlossen werden, es kommt zum Austrocknen der Hornhaut und zu Geschwüren. Gleichzeitig entstehen durch den herauslaufenden Speichel ständig Entzündungen im schlaff herabhängenden Mundwinkel. Die betroffenen Patienten leiden sehr unter dieser offensichtlichen, nicht zu verbergenden Entstellung.

Wir führen diese Eingriffe sehr häufig durch, so dass die Gefahr einer bleibenden Gesichtslähmung minimiert ist. Durch die mikrochirurgische Transplantation von körpereigenen Nerven und Muskeln, die an der gesunden Seite angeschlossen werden und damit ihre Bewegungsimpulse von dort erhalten, gelingt meist sowohl eine befriedigende funktionelle Rekonstruktion als auch eine ästhetische Wiederherstellung der Symmetrie des Gesichtes.

Tumore der Mundhöhle

Plattenepithelkarzinom: 

Bösartige Tumoren verdrängen im Gegensatz zu den gutartigen Tumoren die Nachbarstrukturen wie Nerven und Gefäße nicht. Stattdessen dringen sie ohne Rücksicht auf anatomische Grenzen in Nachbarstrukturen ein und zerstören diese im weiteren Verlauf des Wachstums. Später können sie auf dem Blut- oder Lymphwege Tochtergeschwülste (Metastasen) setzen.

Die häufigsten bösartigen Tumore der Mundhöhle, des Kiefers und des Gesichtes gehen von der Oberflächenauskleidung der Mundhöhle, der Schleimhaut, oder der äußeren Haut aus. Sie werden als Plattenepithelkarzinome bezeichnet. Das Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle steht mit weltweit 7,9 % bei Männern und 3,9 % bei Frauen an vierter bzw. achter Stelle der Tumormanifestationen. In den letzten Jahrzehnten konnte eine Erkrankungszunahme beobachtet werden, wobei Männer etwa 3-mal häufiger erkranken als Frauen.

Es gibt einen in vielen Studien nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Mundhöhlenkarzinomen und starkem Rauchen oder ausgeprägtem Alkoholgenuss. Darüber hinaus gibt es einen sich gegenseitig verstärkenden Effekt bei gleichzeitigem Tabak- und Alkoholkonsum. Bei diesen Patienten erhöht sich die Erkrankungshäufigkeit um mehr als das 10-fache, zudem manifestieren sich die Tumoren deutlich früher. Auch eine chronische Entzündung der Mundschleimhaut, wie sie z. B. in Folge einer nicht ausreichenden Mundhygiene oder wiederkehrenden Schleimhautverletzungen durch scharfe Zahn- und Füllungskanten auftreten kann, ist eine mögliche Ursache für die Entstehung eines solchen bösartigen Tumors.

Grundsätzlich gilt jedes Geschwür der Mundhöhle, das nicht innerhalb von 14 Tagen mit einer lokalen Behandlung zur Abheilung zu bringen ist, als verdächtig und sollte einer fachärztlichen Untersuchung zugeführt werden.

Besteht der dringende Verdacht auf ein Mundschleimhautkarzinom, ist eine fortführende Diagnostik erforderlich, die eine Magnetresonanztomographie oder Computertomographie der Kopf- und Halsregion, eine Ultraschalluntersuchung der Halslymphknoten und Bauchorgane sowie eine Röntgenthoraxaufnahme beinhaltet. Außerdem erfolgt die Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung.

Die Behandlung von bösartigen Erkrankungen der Mundhöhle und der Speicheldrüsen richtet sich bei uns nach den Leitlinien der DÖSAK (Deutsch Österreichisch Schweizerischer Arbeitskreis für Tumoren des Kiefer- und Gesichtsbereiches) sowie der DGMKG (Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie) und ist abhängig von der Art des Tumors, der Lokalisation, der Tumorgröße, dem Befall der Lymphknoten und der anderen Organe (Metastasen) sowie dem Allgemeinzustand des Patienten.

Therapie der ersten Wahl beim Mundhöhlenkarzinom ist die operative Behandlung. Erst an zweiter Stelle steht die Strahlentherapie. Häufig ist jedoch ein multimodales Therapiekonzept erforderlich. Die operative Behandlung von Tumoren des Kiefer- und Gesichtsbereiches beinhaltet hohe Anforderungen, da auf Grund der exponierten Lage die Erhaltung von Funktion und Ästhetik mehr als in anderen Körperregionen von Bedeutung ist. Neben der sicheren operativen Entfernung des Tumors hat daher die funktionelle und ästhetische Rehabilitation der Patienten bei uns einen hohen Stellenwert.

Unser kieferchirurgisches Repertoire umfasst neben den verschiedenen Verfahren des mikrochirurgischen Gewebeersatzes (Mikrochirurgie) und der lokalen plastischen Rekonstruktionen auch die dentale Implantologie, um eine kaufunktionelle Rehabilitation zu erreichen. Insbesondere im vorbestrahlten Kiefer bedarf dieses einiger Sorgfalt.

Vor allem durch den Einsatz der rekonstruktiven Mikrochirurgie, auf die sich unsere MKG-Chirurgin Barbara Iwan spezialisiert hat, ist es uns möglich, auch große Tumordefekte gut zu versorgen. Wir nehmen uns Zeit für die ausführliche Beratung und Begleitung unserer Patienten mit bösartigen Tumoren, da kein Tumor und kein Mensch wie der andere ist. Wir haben kurze Dienstwege zu allen Kollegen anderer Fachgebiete, die an der Therapie dieser Erkrankung beteiligt sind, so dass die Behandlung „aus einer Hand“ erfolgt.

Bei der Betreuung unserer Patienten legen wir großen Wert auf ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das unter anderem auch eine logopädische und ernährungsmedizinische Mitbetreuung beinhaltet. Zur Sicherung des Heilungserfolges gehören regelmäßige Kontrolluntersuchungen – im ersten Jahr alle vier bis sechs Wochen. Ab dem zweiten Jahr reichen größere Abstände aus, um eine mögliche Wiederkehr der Erkrankung oder Tochtergeschwülste rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Auch die Nachbetreuung führen wir federführend in Zusammenarbeit mit den anderen beteiligten Fachdisziplinen durch.